Als ich noch ganz klein war konnte ich nicht „Claudia“ sagen. Bei dem Versuch kam immer nur „Caja“ heraus. Seitdem begleitet mich dieser Spitzname, mal mehr und mal weniger prominent, immer ein bißchen davon abhängend, mit welchem Gegenüber ich es gerade zu tun habe. Und genauso alt, wie die „Herkunft“ dieses Spitznamens, ist der Wunsch nach einem eigenen Hund. Immer und immer schon wollte ich einen haben. Von klein auf klassich jedes Jahr ganz oben als erster Punkt auf der Weihnachtswunschliste: ein Hund. Heute habe ich nicht nur zwei eigene Hunde (by the way: die obercoolsten, wunderschönsten, kuschligsten Kleinmädchentraumerfüller von allen), sondern heute, schon groß und durchaus in der Lage „Claudia“ zu sagen (auch wenn dieser Name immer noch nicht meine erste Wahl ist) erfülle ich mir DEN Wunsch, der mir die Kirsche auf die Torte pflanzt. Die Ausbildung zur Hundetrainerin! Deshalb: Cajas Weg zum Glück.

Jetzt isses nämlich endlich soweit: Das erste Ausbildungswochenende ist geschafft. Nach vier relativ drögen Monaten, in denen ich mir das erste Trainings-Knowhow über Skripte, Hausaufgaben und Lernkarten draufgeschafft habe, ging es am Wochenende endlich in die Praxis. Tongebend war das Thema „Grundtraining“. Hä? Was ist Grundtraining? Da hat der Hund noch von nix ne Ahnung. Aha. Joar, das kann ja so schwer nicht werden. Rohdiamanten sind ja einfacher als Verhaltenskreative. Ja Pustekuchen, haste gedacht…

Nach einleitendem, eingroovendem Frontalunterricht ging es raus auf den Platz. Unterrichtsbeginn war um halb zehn gewesen, inzwischen war es elf Uhr, als sich alle aufrappelten, um ihre Hunde zu holen und ich das erste Mal auf die Uhr schielte. Elf Uhr? Ernsthaft?! Ich dachte es wäre mindestens schon halb eins und mir schwirrte schon total der Kopf. Sooo viel Input, sooo aufregend alles! Na, dachte ich, das kann ja noch lustig werden.

Erste Aufgabenstellung: Zweierteams bilden, einer ist Kunde und einer ist Trainer. Der jeweilige Kunde sucht sich was aus, das der Hund noch nie geübt hat und der jeweilige Trainer soll sich an der Aufgabe versuchen. Wie Hunde lernen und wie man am besten vorgeht war mir THEORETISCH durch das Schulmaterial ja bereits bekannt, das endlich in die Praxis umsetzen zu können war mega spannend! Der Übungsleiter hatte natürlich die ganze Zeit ein wachsames Auge auf uns alle, gab Tipps und Hilfestellung. Im Anschluss Vorstellung des Ganzen vor der Gruppe, dann Rollentausch. Dann wieder Vorstellung. Ääääääh?! Hat irgendjemand mitgeschnitten, dass ich DAS ALLERERSTE MAL da bin? Ooookay, hier wird also nicht lange gefackelt, dachte ich. Aber…. Siehe da…. Hat gar nicht wehgetan und endlich, endlich kann ich sagen, ich habe ein Training gegeben. Naja… ein ganz kleines. Für eine einzelne Person und für eine einzelne Übung und, na klar unter Anleitung und mit ganz viel Hilfe von meiner Trainerkollegin (deren viertes Praxiswochenende dieses bereits war – Vielen Dank Insa, für deine Geduld!), die für mich die ahnungslose Kundin gemimt hat. Die dann in meinem Fall gar nicht so ahnungslos war, weil ich unendlich wertvolle Tipps bekommen habe.

Im Verlauf des Wochenendes kamen noch ein Tabudeckentraining, das Nimm-Nein-Spiel und die Anleitung, wie man Abbruchsignale für den Hund einführt und (viel wichtiger), wie man das alles dem Halter begreiflich macht, hinzu. Kam mir alles bekannt vor, alles schon mal als Hundehalter ausprobiert. Aus Sicht des Trainers war es dann doch nochmal ne andere Nummer… Immer gespickt mit den Hintergrundinfos, wozu die einzelnen Übungen genutzt werden sollten/können und was von Trainer und Halter währenddessen nicht zuletzt auch über den einzelnen Hund und dessen Verhalten/Wesen gelernt werden kann.

Und das Beste an der ganzen Geschichte? Man ist ausschließlich von Leuten umgeben, die genauso hundebekloppt sind wie man selber. Pausengespräche über Geschirre, Leinen, die besten Clicker, Pfeifen und Trainingsmöglichkeiten. Haaaaaach herrlich! Platt, aber glücklich habe ich dann mit meinem ebenfalls sehr platten Hund Paul am späten Sonntagnachmittag die Heimreise angetreten. Aufgrund der hohen Nachfrage an speziell diesem Trainingsstützpunkt ist das nächste Training leider erst im November, aber dann werde ich wieder berichten.

Ihr Lieben, schnallt schon mal eure Hunde ins Geschirr/an die Leine! Ich kann es kaum erwarten, dass wir bald endlich lostrainieren können!

 

Lass es deinem Hund gut gehen!

Von Herzen tierische Grüße

Claudia

 

PS: Paul hatte sich das Leben als Trainerhund, glaube ich, ein wenig glamouröser vorgestellt. Seine Lieblingsbeschäftigung war an diesem Wochenende, wenn er nicht mit mir dran war, am Rand im Schatten (Samstag) oder im Trockenen (Sonntag) zu liegen und sich so herrschaftlich und vorteilhaft wie möglich zu präsentieren. Ich bin nicht sicher, ob er die ganze Veranstaltung ein wenig albern oder doch eher unter seiner Würde fand. Boah, echt Hundeschule hat er ja wohl sowas von hinter sich! Als es dann bei einer Übung als angekündigtes Highlight getrocknete Hirschlunge gab, hätte er, glaub ich, am liebsten entrüstet den Platz verlassen. Selbst unsere Trainerin war sprachlos. Kurz. Dann hat sie Tränen gelacht. Ein Labbi, der den Keks verweigert. Nö, wollte er nicht. Er wollte lieber die bekannten schnöden Sachen von Mutti. War ja wohl genug Neues für ein Wochenende. Naja… äh gut… er hat es dann mit langen Zähnen schließlich gefressen…bevor man es verkommen lässt… Labbis haben da ja doch einen Ehrenkodex.

Copyright © Claudia Barkow

 

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