Was macht eigentlich ein THP?

Das wurde ich neulich wieder gefragt und bei dieser Frage muss ich immer erst einmal atmen. Nur um anschließend hochqualifiziert zu antworten:

Äh, jaaa!? Kommt drauf an.

Nach knapp zwei Jahren mit eigener Praxis sollte man meinen, ich wüsste darauf eine knackige schlaue Antwort. Weil ich dabei aber jedes Mal ins Schlingern komme, dachte ich, es wäre eine gute Idee, aus dieser Frage einen Artikel zu machen, damit ich in Zukunft weiß, was knackig und schlau zu sagen ist. Vielleicht verweise ich dann aber auch ganz einfach hierauf. Mal sehen. Hinzu kommt, dass ich Lust habe auf eine kleine Bestandsaufnahme.

Inzwischen wird mein Blog auch von Kollegen gelesen und die alten Hasen bringen sich wahrscheinlich schon in Position: Na was kann die schon wissen? Grünschnabel.

Ein alter Hase, das bin ich weiß Gott noch nicht. Aber an manchen Tagen fühlt es sich so an, als wäre es eine Ewigkeit her, dass ich nach bestandener Prüfung nach Hause gefahren bin. Die rosarote Brille auf der Nase und das frisch gestempelte, unterzeichnete Zeugnis zusammen mit ein paar Goodies in der, mit Verbandslogo geschmückten, Papiertüte. Die hätte ich mir für die Heimfahrt am liebsten an den Kühler geklemmt, so stolz war ich.

Als ich meinen Blog aus der Taufe gehoben hatte, wollte ich diesen Artikel ursprünglich als allerersten schreiben, hab dann aber gekniffen. Hätte ich ihn mal gleich nach bestandener Prüfung geschrieben, dann wäre es hier sehr sachlich, aufgeräumt und auswendig gelernt zugegangen.

Klar kann ich ganz nüchtern die gesetzlichen Rahmenbedingungen plus Therapiemöglichkeiten runterbeten und fertig ist der Lack. Aber das finde ich langweilig. Google das doch einfach, wenn du möchtest. Die Idee von diesem Artikel habe ich lange von rechts nach links geschoben, auch schon mal gedanklich aus dem Fenster gehalten, um zu gucken, ob loslassen eine Option wäre, aber keine Chance.

Es sieht so aus, als könnte ich nicht nur diesen Artikel nicht nicht schreiben, sondern ebenfalls nicht, was ein THP macht.

Aber ich kann und ich möchte sehr gern darüber schreiben, wie es für mich ist, einer zu sein. Was ich mache. Ich kann mich nicht hinstellen und sagen, ein THP macht, weil ich damit nie und nimmer allen Kolleginnen gerecht werden würde (ja, es gibt auch Kollegen, die sind auch gemeint).

Ich schreibe diesen Blog für dich, aber, ich gebe es zu, auch für mich selbst. Damit ich nicht irgendwann meine Kunden / Tierärzte / Futtermittelverkäufer aus dem Fenster halte, um zu testen, ob hier loslassen eine Option wäre. Schreibtherapie quasi. Und da mentale Therapie immer ein Stück weit nötig ist, weil derjenige einen oder vielleicht auch zwei an der Tanne hat, kannst du mir diesen, für mich scheinbar notwendigen Wortwust ja vielleicht verzeihen. Nächstes Mal gibt es dann wieder mehr recherchierten Inhalt und weniger … äh, mich. Also geh mit oder lass es bleiben. Los geht´s:

Ein THP lernt in seiner Ausbildung, wie Hund, Katze, Pferd funktioniert, wenn alles läuft, wie es soll (Klinik). Dann lernt ein THP was dazwischen kommen kann und warum (Pathologie) und was THP dagegen tun kann (Therapie). Klar soweit. Und jetzt wird´s schwammig, denn nach der Ausbildung zweigt jeder anders ab.

Weil wir das machen, was viele Tierärzte nicht tun. Wir spezialisieren uns.

Ich kann zum Beispiel Pferd nur ein bisschen, Katzen kann ich gut und Hunde im Schlaf. Naja wobei…im Schlaf…sagen wir, da muss ich am wenigsten nachschlagen. Gut, ich gebe zu, dass das den meisten Tierärzten gegenüber nicht ganz fair ist, schließlich ist Tierarzt in den allermeisten Fällen ein Vollzeitjob und Tierheilpraktiker findest du eher in Teilzeit. Dazu kommt, dass die wenigsten von uns Raummiete, Strom und Wasser plus Tiermedizinischer Fachangestellter finanzieren müssen. Da kann man dann schon mal eher sagen: „Och nö, fällt nicht in meinen Bereich.“ Das ist allerdings kein Nach- sondern einer der ganz großen Vorteile, den ich als THP habe. Ich picke mir das raus, wofür ich brenne. Das mache ich als THP. Mir ist zum Beispiel Bioresonanz total schnurz, finde dafür aber Akupunktur großartig.

Das führt allerdings dazu, dass ich mich auf Fortbildungen zwischen Kolleginnen wiederfinde, die ganz andere Schwerpunkte haben und wenn diese dann auch noch deutlich länger praktizieren als ich, sacke ich nach deren ersten Wortmeldungen gern mal innerlich zusammen und denke: „Na super, ich weiß ja gar nix.“.

Die härteste Erkenntnis der vergangenen zwei Jahre? Ich werde nie alles wissen und ich kann keinen Kunden zur Gesundheit seines Tieres zwingen.

Was davon ich frustrierender finde, weiß ich noch nicht.

Aber da geht es vielen meiner Kollegen nicht anders. Ich glaube, das Wichtigste ist, zusammen zu arbeiten.

Die größte Lektion der vergangenen zwei Jahre? Sich Hilfe holen und auch mal einen Rat annehmen.

Nach der Ausbildung war das nicht so meins. Entschuldige bitte!? Ich hab schließlich auf nem Superman-Heft geschlafen. Ich kann dir gern mein Abschlusszeugnis zeigen. Da können die alten Hasen nur schmunzeln, denn sie wissen, da kommt noch etwas dazu, von dem dir in der Ausbildung keiner erzählt: Die Praxis in deiner Praxis. Boah und überhaupt: Ausbildung. Herrlich! Dieser geschützte Raum, in dem man sich für eine genau definierte Zeit zu genau definierten Themen weiterbildet. Theorie ist sowas feines. Praxis ist eher so: Willkommen in der Wirklichkeit, sieh zu, wie du klarkommst.

Theorie und Praxis sind nicht nur zwei Paar Schuhe, sondern zwei Welten. Wofür mache ich gleich noch das was ich mache? Ach ja, zum Wohle deines Tieres. Das war der Plan.

Lieblingstermine sind zweistündige Ernährungsberatungen im Vollkontakt. Im Anschluss gibt es ganz klassisch abends vom Kunden ein Foto aufs Handy vom neu erbeuteten 08/15-Futter. Ergänzender Text:

Der Verkäufer hat gesagt, das ist super.

Ja! Schönen Dank für´s Gespräch. Und zum nächsten Termin, wenn man mich lässt, fahre ich wieder hin und fange nochmal von vorne an. Das mache ich als THP.

Die Theorie: „Wir barfen bitte Hunde und Katzen.“ – Der Kunde: „Iiih, sag, bist du irre?“ – Die Katze: „Wer glaubst du, bist du, dass du meinen Speiseplan ändern kannst?“

Das Lehrbuch schreibt, Behandlung im Akutstadion gern 3x die Woche (zum Beispiel). Kunde: „Bist du bescheuert, wer soll das denn bezahlen?“ Ich finde dann einen Weg, der sowohl für die Gesundheit des Tieres, die Schmerzgrenze des Halters und den Geldbeutel gangbar ist. Das mache ich als THP.

Meine erste Amtshandlung nachdem alle Behördengänge, die so nötig sind, um als THP tätig werden zu dürfen, war? Na logo: Logo auf´s Auto. Nicht das selbstkreierte (das kam später), sondern das vom Verband. Das ist ganz schick, finde ich und macht sich super auf meiner Heckscheibe. Erster Kommentar aus der Familie: „Diese Schlange darfst du dir aufs Auto kleben?“.

Danke. Bitte nicht zu viel Euphorie auf einmal.

Ich bin nicht eskalieren gegangen, sondern habe freundlich erklärt, dass der Äskulapstab das Symbol der Medizin und Heilkunde ist, den zu führen uns durchaus erlaubt ist. Stichelnde Fragen freundlich beantworten. Das mache ich als THP.

Und dann sind da in der Praxis so viele mögliche Wege: Klassische Homöopathie, Komplexhomöopathie, Phytotherapie, Schüßler-Salze, Horvy-Enzyme, Blutegel, Akupunktur, Mykotherapie, Bachblüten, Bioresonanz, Laserfrequenztherapie… Ätzend. Gandhi soll ja gesagt haben:

„Lebe, als würdest du morgen sterben. Lerne, als ob du ewig leben solltest.“

Ob der wohl auch Rechnungen zu bezahlen hatte? Na klar, man lernt nie aus, aber ich musste erkennen, dass es für mich bei der Fülle an Behandlungsmöglichkeiten eine Wahl zu treffen gibt, wenn ich mich nicht völlig verzetteln will.

Gerade wenn du noch am Anfang stehst und dir die Kunden noch nicht jeden Tag die Bude einrennen, ist es ganz schwer zu sagen, dieses oder jenes mache ich und solches oder welches aber nicht. Mein erster und auch der zweite Anruf, den ich damals über mein Praxishandy entgegennahm, nachdem ich es vor Aufregung beide Male fast durchs Zimmer geschmissen und gekillt hätte, waren Anfragen für Bioresonanz. Nein, tut mir leid, biete ich nicht an. Flutsch, Kunde futsch. Kacke. Damit bin ich eine ganze Weile gelaufen und hab mich selbst beinahe wahnsinnig gemacht. Doch Bioresonanz mit anbieten? Abgesehen davon, dass ich mir dieses Gerät nicht auch noch leisten konnte, wollte ich es auch nicht. Nee, fand ich doof. Also hieß es Arschbacken zusammen, den eigenen Weg und die Behandlungsmethoden, die zu mir passen, finden. Das mache ich als THP.

Ich persönlich höre gern zu und lerne, wenn der Tierarzt spricht. Gesetzt den Fall, er trägt die Nase nicht so hoch, dass kein Augenkontakt mehr möglich ist. Ich würde mir nur wünschen, dass das auch anders rum funktioniert. Die Weisheit mit Löffeln gefressen hat diese Berufsgruppe nämlich auch nicht. Wenn es so wäre, hätten wir THPs gar nix zu tun. In Sachen Biochemie kann ich bestimmt keinem Tierarzt das Wasser reichen, aber ich weiß zum Beispiel, dass man sich bei Hautproblematiken auch immer den Darm mit anschauen sollte. Für diese Aussage werden wir von einigen Ärzten immer noch ausgelacht.

Schade. In erster Linie für dein Tier.

Ich bekam kürzlich als Patientin eine zauberhafte Hundedame, die laut Besitzer „immer schon Probleme“ hatte. Diese Maus ist mein größter (und für mein Ego dringend nötig gewesener) Erfolg der letzten zwei Jahre und auf Anfrage werde ich diesen Fall auch jedem Tierarzt gern unter die Nase reiben. Als dieser Hund beim ersten Termin durch den Vorgarten auf mich zugewackelt kam, bekam ich totale Panik. Wenn ich nicht sowohl durch meine Autobeschriftung, als auch meine Klamotte unmissverständlich als die erwartete Therapeutin zu identifizieren gewesen wäre, hätte ich so getan, als wollte ich nur nach dem Weg fragen und hätte mich wieder verpieselt. Ehrlich. Warum? Wegen der Erwartungen der Halter. Wenn ich zu einem Tier gerufen werde, zu dem ich im Vorwege schon die Info bekommen habe, dass der Tierarzt weder etwas gefunden, noch eine Ahnung hat, was er dem Tier außer Kortison noch geben kann, weiß ich ja schon ungefähr, wo die Reise hingeht, nämlich ins Ursachenforschungsnirvana. Wenn ich dann live sehe, dass das Tier teebeutelgroße kahle Stellen hat und man aus der reinen Masse gleich zwei Hunde machen könnte (nein, es war kein Cushing), glitscht der Poppes schon mal auf Grundeis. Was ist, wenn ich auch nichts finde? Das arme Tier. Die armen Halter. Ich arme Therapeutin.

Nicht helfen können muss man aushalten lernen.

Ich bin also nicht wieder ins Auto gesprungen, sondern bin da geblieben. Außer dass sie immer noch eine ziemliche Hummelhüfte hat, an der wir aktuell noch arbeiten, kann ich nicht ohne Stolz sagen, dass es ihr schon sehr viel besser geht.

Vielleicht hatte ich nur Glück. Klar, kann sein. Vielleicht kippt der ganze Mist in einem halben Jahr und es geht von vorne los. Weiß ich nicht. Aber ich weiß, dass ich jetzt erstmal helfen konnte. Ohne Chemie. Das mache ich als THP. Und zwar am allerliebsten.

Dieser Artikel hat das Potenzial, es sich gleich mit allen zu verscherzen. Den Kollegen, den Tierhaltern und den Ärzten. Muss nicht sein, aber ich kenne mich, ich krieg das hin. Dafür brauche ich manchmal nicht mal Anlauf. Aber er wollte nun mal geschrieben werden.

Was also macht ein THP? In einem Satz?

Allgemeingültig kann ich das nicht beantworten. Es bleibt wohl erstmal bei: „Äh, jaaa!? Kommt drauf an.“ Aber für die meisten von uns kann ich wohl sprechen, wenn ich sage:

Wir helfen.

Wir unterstützen dich und dein Tier ohne Chemie und ganz ohne Tierarzt zu sein, jedoch gern mit ihm. Jeder von uns mit seinen individuellen Möglichkeiten.

Mein größtes Ziel für die Zeit, die kommt? Dich zu erreichen, mit dem was ich als THP tue. Für dein Tier.

 

Lass es deinem Tier gut gehen!

 

Claudia