Was muss ich tun, um Gehör zu finden?! Was soll ich machen?

Nach drei Tagen grippebedingtem Full Knockout, in denen ich mich an den sozialen Medien komplett überfressen habe, kann die Fahrt für mich erst weitergehen, wenn ich es mir gegönnt habe, verbal ein wenig zu entgleisen, sonst platzt mir die Halsschlagader. Und ja, ich habe gesagt, der Blog schlummert eine Weile, aber das geht nicht. Es muss raus. Los geht´s:

Believe it or not: Mir geht es um die Tiere. Tatsächlich. Ich will euch nichts verkaufen, sondern möchte euch überzeugen. Auf meine Seite holen. Meine Ware ist mein Wissen und nicht irgendwelche Produkte. Und irgendjemand muss doch mal erzählen, worauf es wirklich ankommt. Pathetisch? Nicht wirklich! Denn die Ärzte tun es (meistens) nicht (mehr), der Futterhändler hat es noch nie getan.

Wisst ihr das eigentlich? Ist euch das wirklich bewusst, tief innendrin?

Ich habe in den letzten Tagen auch endlich begriffen warum. Meine Naivität und mein Idealismus haben sich verabschiedet (schade, ich werde beide vermissen), denn: Es will niemand hören. Und weil es niemand hören will, verkauft es sich nicht. Und wenn es sich nicht verkauft, kommt es in den Müll. Der ganze Scheiß, den ihr so gern kauft, hilft nicht wirklich, aber ist schön bunt, glitzert, knistert, riecht gut und gibt euch ein gutes Gefühl. Ist eurem Tier komplett egal, aber euch nicht. Also kauft ihr es.

Zwei Dinge sind existenziell in der Versorgung und Vorsorge der Tiergesundheit. Die Gesundheitskontrolle, also der Tierarzt/Therapeut und die Fütterung. Man sollte also meinen, uns Therapeuten wird non-stop die Bude eingerannt. Wir können nämlich Vorsorge und, im Gegensatz zu den meisten Tierärzten, können die meisten von uns auch Futter. Das passiert an guten Tagen auch. Immer dann, wenn die, die es verstanden haben, uns finden.

In der Zwischenzeit ärgere ich mich über den Rest. Die Ignoranz, die Faulheit, den Geiz.

Geiz ist geil. Der Welpe der trendigen Rasse hat einen vierstelligen Betrag gekostet, aber jetzt 200 Flocken für die notwendig gewordene Therapie in die Hand nehmen geht nicht. Ich weiß das, denn ich sehe das jeden Tag in meiner Praxis. Mein Weg für euer Tier ist oft der unbequeme. Gut, auch der nachhaltigere, gesunde, aber och nö, wen interessiert´s, oder?

Bequem muss es bitte sein. Wenn die namhaften Futtermittelriesen euch auf eurem Sofa am Samstagabend in der Werbepause unter eurer Kuscheldecke mit dem Schälchen Schokoeis auf den Knien in eurer Komfortzone abholen und euch ein gutes Gefühl zaubern, weil das Tier in der Werbung sooo gesund und glücklich aussieht mit der gleichen Futtersorte, die ihr verwendet, ist das doch viel komfortabler als meine Ausführung über eine nötige Futterumstellung. Es ist auch völlig egal, dass ich belegen kann, dass es für´s Tier der bessere Weg wäre.

Und ja, ich nehme Geld dafür. Selbstverständlich. „Joooaar und nicht wenig!“, sagt ihr? Nee! Und wisst ihr auch warum? Ich mach´ das beruflich, das ist kein Hobby. Warum soll die Handwerkerstunde mehr wert sein, als eine Stunde meiner Zeit? Ich habe auch ein Handwerk gelernt. Was zahlt ihr dem Klempner, wenn das Klo überläuft? Und was seid ihr bereit auszugeben, wenn der Darm eures Tieres völlig im Eimer ist?

Ich war in den letzten Tagen wegen krankheitsbedingter Langeweile viel in Social Media-Gruppen unterwegs. „Tierheilpraktiker“, „Tierheilpraktiker-Forum“, „Natürliche Mittel für Hunde und Katzen“, „Naturheilkunde für Tiere“… ich könnte ewig so weitermachen. Es stimmt schon, dass es keine dummen Fragen gibt. Ist ja nicht schlimm, manchmal weiß man es einfach nicht besser. Kein Thema. Dumme Antworten gibt es schon. Und warum gibt es überhaupt Therapeutinnen (meistens sind es Frauen), die Antworten geben? Mädels, lasst es ein. In diesen Gruppen auf Kundenfang zu gehen, bringt absolut null. Wer als Tierhalter zu faul ist, ortsbezogen nach fähigen Therapeuten zu googlen und stattdessen Facebook befragt, ist eurer Mühe nicht wert. „Meine Nachbarin hat eine Schuhverkäuferin, die macht jetzt auch Aromatherapie. Die hat gesagt, bei Arthrose hilft…“

Echt jetzt?! Aber geiz ist schon geil, oder?

Ne anständige Anamnese beim ausgebildeten Therapeuten kostet je nach Bundesland zwischen € 60,- und € 150,- und mindestens anderthalb Stunden eurer Zeit. Wahrscheinlich auch noch Hausaufgaben für euch, die in der Umsetzung euren gewohnten Tagesablauf stören. So eine Web-Empfehlung kostet nix und so ein Fläschchen ist schnell gekauft. Für € 10,50. Besser, ne? Schämt euch!

Die meisten in meiner Branche ziehen ihre Kunden über den Preis. Müssen sie, damit sie überhaupt jemanden ziehen. Wann hört das auf? Wann sind euch eure Tiere endlich etwas wert? Wir haben in unserer naturheilkundlichen Ecke Heilmethoden und Therapieverfahren, die wahnsinnig gute Erfolge zeigen. Es interessiert aber nur, solange es möglichst nichts kostet. Wie hättet ihr´s gern? Muss ich es für umsonst anbieten oder noch viel teurer machen, damit ihr zuhört? Ist es zu teuer, ist es Wucher, ist es zu günstig, taugt es nichts.

Wer von uns Therapeuten hätte während der Ausbildung gedacht, dass die Kunst nicht darin liegt, den richtigen Therapieansatz zu finden, sondern den Halter / Kunden davon zu überzeugen? Ein Wahnsinn.

Es setzen sich nicht die Besseren durch, sondern die Gewissenloseren. Wenn ich etwas empfehle, habe ich es nicht dabei. Wenn es tatsächlich therapiebegleitend auf ein bestimmtes Nahrungsergänzungsmittel hinausläuft, möchte ich immer eine individuelle Wahl für euer Tier treffen. Ich möchte gar nicht erst in die Verlegenheit kommen, etwas abverkaufen zu müssen. Manche Kunden finden das total doof. „Ach so, das muss jetzt erst bestellt werden?!“, ja klar. Ich bin ja kein Staubsaugervertreter. Ich habe nicht den Kofferraum voll Ware.

Und dann gibt es Dinge, die sind richtig toll, aber auch richtig teuer. Was soll euer Tier machen, wenn ihr euch das Mittel auf Dauer nicht leisten könnt? Still vor sich hin leiden? Da muss ich Alternativen finden. Und das kann ich dann auch, genau wie meine Kollegen. Und wisst ihr warum? Weil wir das GELERNT haben. Und zwar die meisten von uns neben dem „normalen“ Beruf. Neben Kindern, Mann, Haushalt sind wir nochmal los und nochmal zur Schule gegangen. JAH.RE.LANG. Und jetzt darf das Wissen, dass wir uns nochmal draufgeschaufelt haben nix kosten, weil Facebook und Co es besser weiß? Spinnt ihr?

Viele Kollegen fahren eine absolute Niedrigpreispolitik in ihrer Praxis. Die Kinder kosten Zeit und Nerven, der Zwanzigstundenjob, den man nebenbei noch hat auch und wenn man dann für die Praxis nochmal los kann, ist das toll. Dann war die Ausbildung und die ganze Mühe wenigstens nicht ganz für die Katz. Und was machen die, die das Vollzeit vorhaben? Einfach keinen Zweitjob ausüben und sich ansonsten vom Lebenspartner*in tragen lassen? Nein danke. Ein Hausbesuch kostet bei mir € 60,-. Dafür komme ich, wie der Name schon sagt, zu dir nach Hause und bringe bis zu 60 Minuten Zeit für einen normalen Termin mit. Alles bis 15 km Entfernung ist inklusive. Ich komme mit viel Gepäck, also mit dem Wagen. Was bezahlst du bei einem Routinebesuch beim Tierarzt, zu dem du selber und auf eigene Rechnung hingurkst? Und nach wie vielen Minuten bist du wieder draußen? Wie oft fährst du da weg und hast noch Fragen? Und wie oft fährst du in ein paar Wochen wieder hin, weil das Symptom wieder da ist?

Aber halt, dafür gibt es dann ja das Internet…

Warum soll der Therapeutentermin bei dir vor Ort, ob nun zuhause oder im Stall, den du dir bequem so legen kannst, dass es passt, meist völlig entfernt von irgendwelchen vergleichbaren Praxisöffnungszeiten beim Arzt, denn nicht teurer sein, als der Besuch bei eben diesem? Sobald wir unseren Beruf aus kaufmännischer Sicht betrachten, werden wir schief angeguckt. Über Geld spricht man nicht. Doch, müssen wir. Dringend, denn wir machen das nicht zum Spaß. Zum Spaß machen es die Damen und Herren, die jeden Tag die Gruppen im Netz füllen und mit ihren Ratschlägen regelmäßig alles geben. Ohne das Tier gesehen zu haben, ohne Ahnung, aber mit ganz viel Meinung.

Eine Gruppe Gleichgesinnter ist eine Sache, aber Tiere, zum Teil schwer erkrankte, selber zu therapieren mit Tipps aus irgendwelchen Foren, ernsthaft? Weil der Therapeut vor Ort einem zu teuer ist? Was ist da passiert? Wann? Warum? Kauft euch´n Hamster, der ist im Unterhalt nicht so teuer. Man!

Wenn ihr soweit seid, dass es euch ums Tier geht und nicht darum, was für euch am einfachsten ist, dann meldet euch gern bei mir. Aber legt genug Kohle bereit, denn ich mache das hauptberuflich und nicht aus Spaß an der Freud.

Ich werde den Shitstorm, der eventuell kommt (von welcher Seite auch immer) nicht verfolgen, also gebt euch keine Mühe. Ich werde jetzt zur Abwechslung mal ein Buch lesen.

 

Lasst es euren Tieren doch mal gut gehen!

 

Claudia