Theoretisch gibt das Thema nicht viel her. Müsste ein ultrakurzer Artikel werden, denn die Fakten sprechen eine klare Sprache: Katzen sind reine Fleischfresser. Jäger. Und noch dazu Wüstentiere. Das heißt, sie trinken nicht viel. Katzen decken fast ihren kompletten Flüssigkeitsbedarf über ihre Beute. Auch bei uns, mit ohne Wüste. Die Wüste ist sozusagen in der Katze. Auch in deiner.

Ein reiner Fleischfresser zu sein, heißt zudem, dass nicht ein einziger Zahn im Gebiss zum Zermahlen von irgendwas gedacht ist. Katzen haben so ein Gebiss. Ein reines Raubtiergebiss. Nehmen wir jetzt noch einen Auszug aus dem Tierschutzgesetz dazu, nämlich, dass „jeder, der ein Tier hält, betreut oder zu betreuen hat, das Tier seiner Art und seinen Bedürfnissen entsprechend angemessen ernähren, pflegen und verhaltensgerecht unterbringen muss“, ist eigentlich alles gesagt.

Willst du deine Katze behandeln wie eine Katze?

Dann solltest du Fleisch füttern. Der Artikel wäre fertig – und hier endet auch schon die Theorie. In der Praxis geht das Theater beim Kauf des Futters schon los. Aufgabe: Finde ein Katzenfutter mit hohem Fleischanteil, ohne unnötige Zusatzstoffe. Was sind denn unnötige Zusatzstoffe überhaupt? Finde ein Futter, das bezahlbar ist, nicht erst von Gott weiß woher beschafft werden muss und zu guter Letzt von deiner Katze gern gefressen wird. Puh! Futter ist ein Thema für sich und einen eigenen Artikel wert. Oder eher mehrere. Kommt noch, versprochen. Aber wenn du weißt, wie deine Katze funktioniert, wird auch die Entscheidung für gutes Futter einfacher.

Welches Futter gut für deine Katze ist, wird dir letztlich an jeder Ecke erzählt. Damit du das aber alleine beurteilen kannst und dich nicht bequatschen lassen musst, hilft es, wenn du ihren Organismus besser verstehst.

Wie geht also Verdauung bei Katzen, warum sind Kohlenhydrate doof, was hat es mit Taurin auf sich und warum sind so viele Katzen nierenkrank?

Los geht´s:

Deine Katze frisst mit 30 Zähnen (vorausgesetzt sie hat sie noch alle), von denen, wie schon gesagt, keiner zum Kauen oder Zermahlen gemacht ist. Hast du schon mal Großkatzen wie Tiger oder Löwen fressen sehen? So wie diese Verwandten fressen, so frisst auch deine Katze. Es ist egal, wie groß eine Katze ist. Eine Katze ist eine Katze, ist eine Katze. Mit Raubtiergebiss.

Sie kauen auch nicht wirklich. Ich weiß, es sieht manchmal so aus, wenn Katzen mit Trockenfutter kämpfen, aber mit tatsächlichem Kauen hat das wenig zu tun. Das, was Wiederkäuer machen, ist richtiges Kauen. Es macht für deine Katze auch überhaupt keinen Sinn zu kauen, weil ihr Speichel keine Verdauungsenzyme enthält. Bei uns Menschen und zum Beispiel auch bei Schweinen ist das anders. Da beginnt die Verdauung tatsächlich schon im Mund/Maul. Guck mal Schweinen beim Futtern zu. Die kauen und kauen und speicheln dabei, was das Zeug hält. Katzen halten sich damit nicht weiter auf, sondern befördern alles schleunigst in ihren Power-Magen. Sie produzieren, im Vergleich zu uns Menschen, das Sechsfache an Magensäure. Der ph-Wert liegt bei eins bis zwei und das heißt, die Verdauung von rohem Fleisch macht ihr überhaupt keine Schwierigkeiten!

Der Verdauungsapparat im Ganzen ist ziemlich kurz. Proteine (Eiweiße) und Fette können darin super verdaut werden. Bei Kohlenhydraten wird´s schon schwieriger. Deine Katze braucht sie auch nicht, die Kohlenhydrate. Ihre Physiologie, also die Art und Weise, wie ihr Körper zusammengesetzt ist, braucht zum Überleben keine Kohlenhydrate. Und eben weil dieser Organismus keine Kohlenhydrate braucht, ist er auch nur bedingt dafür ausgelegt. Kohlenhydrate machen deiner Katze schnell Ärger bei der Verdauung, weil sie die Bauchspeicheldrüse überlasten:

Die Bauchspeicheldrüse ist das Organ, dass bei der Verdauung weitestgehend den Hut auf hat. Magen, Dünndarm und Dickdarm sind natürlich auch zu großen Teilen beteiligt, aber ich schaue mit dir jetzt auf die Bauchspeicheldrüse. Die hat nämlich eine tragende Rolle. Denn sie stellt einige der Werkzeug her, die für die Zerlegung der Nahrung gebraucht werden. Diese Werkzeuge nennt man Verdauungsenzyme. Sie sind dazu da, um innerhalb des Stoffwechsels, Nahrungsbestandteile so zu bearbeiten, dass der Körper sie optimal verwerten kann. Eines dieser Enzyme aus der Bauchspeicheldrüse ist die Amylase. Amylase ist dafür zuständig, die mit dem Futter aufgenommenen Kohlenhydrate so zu bearbeiten, dass der Organismus was damit anfangen kann. Auch der Katzenkörper hat dieses Hilfsmittel, um mit Kohlenhydraten fertig zu werden.

Die Bauchspeicheldrüse der Katze weiß aber, dass sie in einer Katze wohnt und deshalb macht sie sich mit der Amylase nicht so´n Stress. Weil sie weiß, dass da nicht viel kommen kann. Ist ja schließlich ne Katze.

Leider hat die Katzen-Bauchspeicheldrüse die Rechnung ohne die Futtermittelindustrie gemacht.

Gemessen am Wert der Amylaseproduktion zum Beispiel des Hundes, liegt der Wert bei Katzen nur bei ca. 40%. Genug also, um einen Systemabsturz zu verhindern, aber zu wenig, um sich hauptsächlich mit diesem Stoff rum zu ärgern. Die Natur ist da absolut effizient, wir pfuschen nur leider immer rein.

Es gibt immer noch Katzenfutter, mit viel zu hohen Kohlenhydratwerten. Vor allem im Trockenfutterregal. Die meisten Hersteller haben aber inzwischen spitzgekriegt, dass sich getreidefreies Futter viel besser verkaufen lässt. Dafür wird dann bei den Proteinen gespart, einfach indem nicht viel Fleisch im Futter ist. Und gemogelt, denn oft handelt es sich, bei erfreulich hohen Proteinwerten im Futter, nicht um tierisches sondern um pflanzliches Eiweiß. Dann hast du zwar auf den ersten Blick einen hohen Proteingehalt aber im Kleingedruckten (wenn überhaupt) steht dann, dass es pflanzlichen Ursprungs ist. Damit können Katzen nicht viel anfangen. Aber Katzen sind Herrscher und deshalb beeindruckt sie das erstmal wenig. Oder sagen wir besser, es dauert eine Weile bis eine Katze kaputternährt ist. Der Wahnsinn! Denn sie ist tatsächlich in der Lage, eine erstaunlich große Menge an Kohlenhydraten und pflanzlichen Proteinen im Futter auszuhalten, ohne gleich tot umzufallen. Leider, muss man fast schon sagen, jedoch sehr zur Freude der Futterindustrie. Was deine Katze aber hauptsächlich braucht, sind hochwertige Proteine. Hochwertige tierische Proteine, soll heißen Fleisch!

Da wir schon bei den Proteinen sind, können wir auch gleich übergehen zu den Aminosäuren, den Grundbausteinen der Proteine und landen beim Taurin.

Um auf lange Sicht nicht tot umzukippen, braucht der Körper deiner Katze bestimmte Stoffe. Einige kann er sich aus der Nahrung selber bauen, andere müssen zwingend direkt mit der Nahrung zugeführt werden.

Das sind unter anderem die sogenannten essentiellen Aminosäuren. Essentiell heißt lebensnotwendig aber nicht selber herstellbar. Eine davon ist Taurin. Bei der Ernährung von Katzen, eine kleine Berühmtheit. Nicht zuletzt, weil die Futtermittelindustrie Taurin total pusht. Kein scheinbar gutes Katzenfutter ohne den Zusatz von Taurin. Auf der Packung steht dann „mit Taurin“ oder auch „reich an Taurin“. Wow, wie toll. Taurin ist für Katzen lebensnotwendig, das ist richtig. Würde das Futter aber überwiegend aus Fleisch bestehen, wäre automatisch ausreichend Taurin enthalten. Dieses hinzugefügte Taurin ist zudem synthetisch, das heißt es wird künstlich hergestellt. Da wird ein wahnsinniger Aufwand betrieben, um das Futter mit künstlichen Zusätzen vermeintlich aufzuwerten, anstatt einfach den Fleischanteil zu erhöhen. Aber das würde die Gewinnspanne wahrscheinlich empfindlich schmälern.

Alle, für die Katze benötigten Aminosäuren, kommen im Fleisch vor. Solange es roh ist. Denn einige von ihnen reagieren empfindlich auf Hitze. Speziell Taurin gibt bei der Herstellung von Futter unter Hitzeeinwirkung zwar nicht so schnell auf, aber ein paar der anderen Aminosäuren finden das nicht so witzig. Außerdem kann von dem guten Stoff nicht viel drin sein, wenn die Dose Katzenfutter 4% Fleisch enthält. Der Feuchtigkeitsgehalt stimmt dann zwar wenigstens, aber außer Wasser und Glibber ist da ansonsten nicht viel drin. Bei den meisten Futtersorten, egal ob Dose oder Trockenfutter, liegt der Fleischanteil leider nur zwischen 4% und 26%. Katzen würden Whiskas kaufen? Äh nee, wohl eher nicht!

Wichtige Aufgaben erfüllen die essentiellen Aminosäuren im Organismus deiner Katze alle. Aber Taurin ist tatsächlich der Rockstar unter ihnen. Es findet sich Taurin im Gehirn, in den Muskeln, in der Leber, im Herzmuskel und in der Netzhaut des Auges deiner Katze. Es wird gebraucht für das Nervensystem, die Herzgesundheit, die Regulierung der Körpertemperatur….. also kurz: damit der Laden läuft. Das blöde ist nur, dass deine Katze Taurin nicht speichern kann. Bei jedem Toilettengang geht auch ein bißchen Taurin mit flöten, so dass es täglich neu über die Nahrung aufgenommen werden muss. Der Mindestbedarf liegt bei 20mg je kg Körpergewicht pro Tag.

Wo findest du nun Taurin in ausreichender Menge für deine Katze?

Zum Beispiel in Mäusen. Mäuse sind randvoll mit Taurin. Und nicht nur mit Taurin. Alles andere, was benötigt wird, ist auch in ausreichender Form vorhanden. Sogar der Feuchtigkeitsgehalt stimmt, denn Mäuse bestehen zu ca. 62% aus Wasser. Putzig oder? Als hätte die Natur sich was dabei gedacht – by the way: Trockenfutter hat einen durchschnittlichen Wassergehalt von 6-8%. Wenn deine Katze also raus darf, kannst du dir sicher sein, dass sie – ganz nach Herrschermanier – gut für sich sorgt.

Ein entscheidender Hinweis darauf, dass eine Katze ein reiner Fleischfresser ist, ist auch, der schon erwähnte kurze Verdauungsapparat. Also die Zeit, die sie für die Verdauung insgesamt braucht. Innerhalb von 24 bis 36 Stunden ist das Thema durch. Im wahrsten Sinne des Wortes. Bei uns Allesfressern dauert das drei Tage. Eine so vergleichsweise kurze Verdauungszeit, wie die Katze sie hat, ist charakteristisch für Fleischfresser.

Bleib dran, du hast den Artikel fast geschafft! Einen Punkt hab ich mir extra für den Schluss aufgehoben: Kein Artikel über den Organismus der Katze ohne ein paar Worte über die Nieren. Nierenversagen ist leider die zweithäufigste Todesart bei Katzen und wird auf Platz eins nur von (Verkehrs-) Unfällen überboten.

Die Nieren funktionieren immer nur so gut, wie der Wasserhaushalt des Körpers bzw. die Wasserzufuhr. Diese Tatsache ist für Katzen besonders fatal. Da sie nicht viel trinken, muss die Nahrung feucht genug sein. Ist sie das nicht, nehmen die Nieren irgendwann zwangsläufig Schaden. Kristalle, Nierensteine oder die chronische Niereninsuffizienz sind die Folgen und die Schreckgespenster jedes Katzenforums.

Das gemeine bei Nierenschäden ist, dass sie meistens erst auffallen, wenn es fast schon zu spät ist. Und Nieren sind die Mimosen unter den Organen, denn sie sind furchtbar nachtragend. Die Leber ist irre gut im Erneuern. Die erholt sich auch schon mal wieder. Die Nieren nicht. Was kaputt ist, ist kaputt. Auch bei Katzen. Was kannst du nun tun, wenn das Kind schon im Brunnen ist? Da hilft nur noch Schadensbegrenzung und die läuft in erster Linie über´s Futter.

Es ist leider ein weitverbreiteter Irrtum, dass nierenkranke Katzen nicht mehr so viel Proteine gefüttert bekommen sollen.

Die meisten erhältlichen Nierenspezialfutter kannst du in die Tonne treten. Schau dir da mal in Ruhe die Zusammensetzung an. Auch eine nierenkranke Katze ist immer noch ein Fleischfresser. Es werden also immer noch hochwertige tierische Proteine benötigt. Warum? Weil die Katze nun mal so gebaut ist und diese Art der Ernährung ihren Organismus am wenigsten belastet. Wenn du eine nierenkranke Katze zuhause hast, halte ich jede Wette, dass sie nicht aufgrund von zu viel Fleisch im Futter krank geworden ist. Und dass sie nierenkrank geworden ist, hat nichts mit Schuld zu tun. Jedenfalls nicht mit deiner. Marketing ist hier das Stichwort.

Und wenn deine Katze noch quietschgesund ist? Dann tu ihr etwas Gutes und füttere sie jetzt schon artgerecht. Denn damit kannst du aktiv vorbeugend etwas tun, damit ihre Nieren gar nicht erst krank werden.

Ein Nierenschaden bei der Katze ist für mich, wie ein Hitzschlag beim Hund, der im Hochsommer im Auto hockt – du kannst es vermeiden!

Also noch mal zum Mitschreiben: Katzen trinken nicht automatisch mehr, wenn sie über die Nahrung nicht ausreichend mit Flüssigkeit versorgt werden. Hunde tun das, Katzen aber nicht. Never ever.

Das Erstaunliche ist, dass beim Thema Ernährung, um Katzen viel weniger Getöse gemacht wird, als um Hunde. So empfinde ich es jedenfalls. Ich habe schon Haushalte gesehen, in denen auf´s Gramm genau die Zusammensetzung des Hundefutters abgewogen wurde und daneben stand das Trockenfutter für die Katze. Dabei tolerieren Hunde in der Ernährung viel mehr als Katzen. Bitte nicht falsch verstehen. Ich sage damit nicht, dass Trockenfutter bei Hunden grundsätzlich bedenkenfrei ist. Ist es nicht. Aber für die anspruchslosere Gruppe wird ein Fass aufgemacht und um die, mit dem empfindlicheren Organismus wird sich kaum geschert. Oder sagen wir mal, es wird nicht so bissig hinterfragt.

Die Fleischfütterung ist in vielen Katzenhaushalten noch nicht richtig angekommen. Da ist zwar auch ein Teil Fleisch im Futter aber eben nicht viel. Nicht genug. Hunde, höre ich manchmal, ja klar, die brauchen Fleisch. Na logo. Aber Katzen? Dabei ist es genau umgekehrt.

Deine Katze braucht viel existenzieller Fleisch als dein Hund.

Du siehst, das Thema Katzenernährung ist doch ziemlich umfangreich und ein paar Futterinfos haben sich nun doch mit reingemogelt in diesen ersten Katzenartikel. Da unsere Katzen sich in den seltensten Fällen komplett selbstständig versorgen, zahnt es für mich auch einfach ineinander. Sie sind nun mal davon abhängig, was wir ihnen vorsetzen.

Ein ganz schön frustrierendes Thema oder? Glaub mir, mir geht´s nicht anders! Aber wenn du dich bis zum Schluss durch Artikel wie diesen kämpfst, weil du es unbedingt wissen willst, bist du auf dem besten Weg, um eine gut informierte eigenverantwortliche Entscheidung für deine Katze treffen zu können. Ich finde informierte eigene Entscheidungen großartig!

Weitere Artikel zur Gesundheit, bestimmten Krankheitsbildern und eben zu diesem riesigen Thema Futter und Ernährung, werden folgen. Wenn du magst, nehme ich dich dann wieder ein Stückchen mit. Bis dahin bin ich für Erfahrungs- und Meinungsaustausch über meine Kontaktdaten für dich zu erreichen.

 

Lass es deiner Katze gut gehen!

Claudia