Es ist etwas wunderschönes, ein Tier in der Familie zu haben, aber nichts und das wird leider oft vergessen, das ohne Verpflichtungen, Mühen und Kosten einzieht.

Abgesehen von den Hirnis, die bei der Anschaffung eines Tieres null nachdenken, denen ich hier jetzt aber einfach mal unterstelle, dass solche Blogs, wie meiner sowieso nicht gelesen werden, gibt es Gott sei Dank viele Tierhalter und solche, die es werden wollen, die sich bestenfalls schon im Vorwege, aber auch im Laufe eines Tierlebens, immer wieder informieren, was es zur Tiergesundheit braucht. Du gehörst auch dazu? Na dann, los geht´s:

Wenn die Familie oder allgemein das Zuhause um ein vierbeiniges Mitglied erweitert werden soll, findet man sich bald mit spitzem Bleistift und Taschenrechner. Was kostet denn eigentlich so ein Tier? Der Gedanke ist ganz normal und nicht zuletzt für das Fortbestehen einer gesunden Haushaltskasse absolut notwendig. Gerade, wenn Kinder ihren Eltern den Wunsch nach einem Haustier vortragen, ist der erste Weg oft der über den Rechenschieber. Erstausstattung wie Schlafplatz, Futternapf, Halsband, Katzenklo, Kratzbaum und Faktoren wie Futtermenge, Tierarztkosten, Katzenratgeber oder Welpenstunde wollen ins Familienbudget einkalkuliert werden. Aber auch, wenn wir Erwachsenen „alleine“ einen plüschigen Mitbewohner wollen, wird erstmal gerechnet. Das ist grundsätzlich auch nicht verkehrt, zumal die Kosten je nach Wahl der Tierart ziemlich variieren. Im Groben gilt die Faustregel je größer das Tier, desto größer sind auch die Kosten. Ein Goldhamster schlägt schließlich im Unterhalt deutlich weniger zu Buche, als ein 700kg schweres Reitpferd.

Was dein Tier wirklich braucht, um gesund zu sein und auch zu bleiben, kannst du aber nicht ausrechnen. Für die Gesundheit geht es eher um das, was es braucht und nicht darum was es kostet.

Viele Hausbesuche bei bemühten Haltern von kranken Tieren mit dem teuersten Futter und der engmaschigsten tierärztlichen und therapeutischen Betreuung beweisen mir das im Praxisalltag immer wieder.

Alle Jahre wieder sind die sozialen Netzwerke und Blogs in der Weihnachtszeit voll von mahnenden Zeigefingern, dass du dir bitte kein Tier unter den Weihnachtsbaum setzen sollst. Und Recht haben sie! Weil es aber trotzdem jedes Jahr wieder passiert und dieses Jahr für meinen Blog das erste Weihnachten ist, ist es mir ein Bedürfnis auch mal in dieses Horn zu blasen. Denn spätestens zu den nächsten großen Ferien sitzen wieder die ersten von diesen Tieren angebunden an Leitplanken auf Autobahnraststätten oder werden anderswo ausgesetzt.

Und warum? Weil wir uns zu wenig Gedanken darüber machen, was Tiere wirklich brauchen. Bei der „Anschaffung“ war man zu beschäftigt damit, zusammenzutragen, was sie kosten.

Ein Hundewelpe pieselt dir erstmal fröhlich in alle Ecken. Um ihm das abzugewöhnen, braucht es Geduld und Zeit. Katzenkinder müssen erst lernen, dass Kratzbäume und nicht Sofaecken ihr Hoheitsgebiet zum Schärfen der Krallen sind. Geduld und Zeit. Und selbst schon stubenreine ältere Hunde und Katzen brauchen deine Geduld und Zeit, um zu kapieren, wie es nun in der neuen Familie zu laufen hat. Zeit und Geduld. Geduld und Zeit.

ZEIT. UND. GEDULD.

Nerven aus Stahl sind manchmal auch sowohl von Nöten als auch von Vorteil, je nach Tiercharakter.

Und wie sieht es mit dem Alltag aus, in den das Tier integriert werden soll? Feierst du leidenschaftlich gern? Zum Beispiel Silvester? Steht ja wieder vor der Tür. Mit ner Menge Freunden und Rambazamba? Was machst du dann mit deinem Tier? Stehst du auf Fernreisen, zum Beispiel drei Wochen Ägypten und sparst dafür das ganze Jahr? Fliegt dein Tier dann mit? Hast du einen Vollzeitjob? Gut, dann fallen viele Tiere eh schon aus dem möglichen Raster, oder nicht? Hast du jemanden, der sich für dich kümmern kann, wenn dein Tier seit Samstagabend Dünnpfiff hat (Das ist wie mit kleinen Kindern. Sie werden immer krank, wenn keiner zu erreichen ist), dein Chef aber Montagmorgen nicht einsieht, dass du zuhause bleiben willst, weil du sonst bei deiner Rückkehr die ganze Bude kärchern müsstest?

Ein Haustier zu bekommen ist ein bisschen wie Kinder kriegen, finde ich. Es ändert alles. Ich weiß, es gibt diese Menschen, für die sich NIIIIIIIIICHTS geändert hat, seit die Kinder da sind, aber die fand ich schon immer doof. In meinen Augen funktioniert das nicht so richtig. So ist das auch mit einem Tier. Da ist dann noch einer mehr, für den du die Verantwortung trägst und der hat Bedürfnisse. Fertig. Diese zu stillen, kostet Zeit, Nerven und ja, natürlich auch Geld.

Ich kann mir keinen Bernhardiner zulegen und mich dann beschweren, dass er mir die Haare vom Kopf frisst.

Wobei ich, um bei der Wahrheit zu bleiben, gestehen muss, dass es natürlich nicht nur die Fraktion gibt, die sich mit einem gegen Null gehenden Weitblick auf den Einzug eines Vierbeiners vorbereitet. Es gibt auch die, die es hoffnungslos übertreiben oder sagen wir lieber, die ihre Mühen nicht in die Maßnahmen lenken, derer es bedarf.

Unsere Haustiere haben heute einen ganz anderen Stellenwert in der Familie als noch vor ein paar Jahrzehnten. Eigentlich sollte mich das freuen. Leider ist diese „neue“ Tierliebe aber oft nur das andere Extrem. Wo früher Bedürfnisse gar nicht wahrgenommen wurden, werden heute welche gesehen, wo gar keine sind. Das ist nichts anderes als Vermenschlichung. Ein Beispiel: Hausbesuch bei einer achtjährigen Hundemischlingsdame. Von der Statur her eher lang als hoch (also rein physiologisch schon mal nicht so günstig) und tendenziell auch ein wenig zu hummelhüftig. Diagnose vom Tierarzt ist hier und da beginnende Arthrose. Es wurde untersucht und geröngt und nun wurde ich, als Tierheilpraktikerin, zur Unterstützung gerufen. Demnächst soll auch eine Physiotherapeutin noch mal drauf gucken.

Es werden keine Kosten und Mühen gescheut.

Die Maus humpelt mir im Flur entgegen und wird mir begeistert mit „Das ist unser Baby!“ vorgestellt. Ohne das Gespräch weiter vertiefen zu müssen, weiß ich im Großen und Ganzen, was jetzt kommt. Meistens folgt ein Bericht (so oder so ähnlich) darüber, dass der Hund schon als Welpe ein schlechter Esser war und man froh ist, endlich ein Futter gefunden zu haben, das akzeptiert wird. Natürlich darf das Baby mit auf die Couch (und wieder runter) und ins Bett (und wieder raus) und sie ist verrückt nach Ballspielen. „Gestern war ja so schönes Wetter, da konnten wir ihr das nicht abschlagen.“. Genau. Und heute läuft sie auf drei Beinen. Bis hier hin finde ich das alles noch gar nicht schlimm. Ich bin, im Vertrauen, bei meinen eigenen Hunden aus therapeutischer Sicht auch gern mal eine Vollkatastrophe. Die Kunst liegt jetzt darin, das auch zu erkennen.

Es wird lieber der Physiotherapeut bezahlt, als dem Hund zu verweigern, auf die Couch zu klettern.

„Nein, das kann ich nicht. Das bringe ich nicht über´s Herz. Das durfte sie schon immer und sie liegt da sooo gerne.“ Ganz ehrlich? Ich kann das total verstehen. Und selbstverständlich liegt sie da gerne. Erhöhte Liegepositionen bei höchstem Komfort finden Hunde nun mal mega. Aber erstens ist ein Hund ein Hund und kein Menschenkind. Wenn man da auf einmal Privilegien einkürzt, wird das nicht mit Begeisterung aufgenommen, es zieht aber auch keine seelischen Traumata nach sich. Zweitens sollte die Gesundheit an erster Stelle stehen. Sie tut es aber nicht, weil wir es nicht über´s Herz bringen, den Hund zu beschränken. Das ist menschlich. Vermenschlicht.

Hunde sind Opportunisten. Sie sind also sehr auf den eigenen Vorteil bedacht. Die liegen nicht gern auf der Couch, weil sie gern näher bei dir sind. Die liegen gern da, weil es mehr Vorteile hat. Dafür legen sie sich mächtig ins Zeug. Sie betteln und flirten und geben alles, was die Trick-Kiste zu bieten hat. Alles gut. Mach in deinem Wohnzimmern, was du willst und glaub von mir aus auch, dass dein Hund bei dir sein will und nicht auf dem Polster. Aber wenn ich dir sage, dass es ihm bei den Symptomen, die er oder sie nun mal aktuell zeigt, gesundheitlich besser ginge, wenn diese Sprünge rauf und runter eingestellt würden und die Ballspiele nur noch in Maßen und erst nach einer gewissen Aufwärmphase stattfinden sollten, müsste das doch auf den gleichen „Das-ist-unser-Baby“-Boden fallen. Tut es aber oft nicht. Ich hab noch nicht verstanden, warum das so ist. Aber es ist anscheinend einfacher, für drei Therapeuten gleichzeitig zu blechen, als ein paar Kleinigkeiten im Tagesablauf zu ändern, die sofort fruchten würden. Vermenschlichung. Was kostet Tiergesundheit?

Anderes Beispiel: Ich komme in einen Katzenhaushalt mit drei Zimmern ohne Balkon, drei Katzen ohne Freigang, einem Katzenklo und einem kleinen Kratzbaum. Erfahrene Katzenhalter rümpfen jetzt schon mal die Nase… Die Halterin hängt sehr an ihren Stubentigern. Aus Angst, dass sie überfahren werden könnten, hält sie sie lieber nur in der Wohnung. Jahrelang war alles gut, aber nun ist vor kurzem Nummer drei eingezogen und seitdem gibt es nur Stress. Das eine Tier kratzt sich auffallend viel und das andere markiert neuerdings in der ganzen Hütte. Ob ich da was homöopathisches wüsste und/oder auch Aromatherapie für Katzen anbieten würde. Sie hätte gehört, dass das auch für Katzen eine feine Sache wäre bei Stress. Hmhm… einatmen…. ausatmen.

Jetzt ganz wichtig: Erst denken und dann reden. Wie sag ich´s nur?

Am liebsten möchte ich sofort wieder gehen, denn das wird entweder ein so langer Ritt, dass ich anschließend selber Aromatherapie brauche, oder das, was ich sage, klingt in den Ohren der Halterin, wie die Lehrerin bei den Peanuts (für die, die sich nicht erinnern oder schlicht weg *hach, neidischer Seufzer* zu jung sind: unverständlich halt).

Es hat mich noch nie ein Landwirt angerufen und um Hilfe gebeten, weil seine Stallkatzen vermehrt Anzeichen von Stress zeigen. Und wir lassen die Böse-Landwirte-Kiste jetzt einfach mal zu. Was ich damit sagen will, wird doch klar, oder? Katzen sind Herrscher. Jäger. Raubtiere in mini. Fleischfresser. Was kostet Tiergesundheit?

Nächstes Beispiel: Hier kannst du dir jetzt aussuchen ob ich von einem Mops rede oder von einer Nacktkatze oder von welch krankgezüchteter Kreatur auch immer. Rassezucht. Für mich schon ein Schimpfwort. Was kostet hier Tiergesundheit? Es kostet dich, das auch mal auszuhalten und nicht wieder ein Tier „zu retten“, weil es dir so leidgetan hat. Jaaa, du weißt, dass die nicht gesund sind, aber es sah so traurig aus, als es da saß und vor sich hin röchelte / vor sich hin fror, nicht wahr? Und niedlich sind sie ja schließlich auch, oder?

Unsere Tierliebe ist soooo groß. Wir lassen uns nicht lumpen! Wir kaufen das teuerste Futter, kutschieren kilometerweit zum besten Therapeuten und gönnen unseren Tieren die aufwendigsten OP´s, weil wir inzwischen Tiere haben, die erst nach chirurgischen Eingriffen eingermaßen anständig atmen können.

Das alles tun wir für unsere Tiere, nicht wahr? Nein. Nicht wahr.

Das machen wir nicht für unsere Tiere, sondern für uns selbst. Für unser Gewissen. Wir können den Wühltischwelpen nicht nicht mitnehmen. Das arme Ding. Oder die Nacktkatze. Da gibt es auch ganz niedliche Pullis und Jäckchen, wie für Teacup-Chichuachuas. Oder diese schicken Franzosen in diesem neuen edlen silbergrau. Wenn das der Anspruch ist, wäre vielleicht ne neue Espressomaschine die bessere Wahl. Die ist immerhin auch teuer und die kann man auch schön zeigen.

Um also meinen Einleitungssatz noch einmal zu bemühen: Es ist etwas wunderschönes, ein Tier in der Familie zu haben, aber bidde bidde, schenk dir/euch kein Tier zu Weihnachten. Schenk dir die Zeit darüber nachzudenken. Durchzuspielen wie es wäre wenn. Wie geht Alltag mit Hund, Katze, Maus? Wie Feiertage oder Urlaub? Welche Bedürfnisse hat so ein Tier? Willst du das und, wenn ja, kannst du das? 365 Tage im Jahr?

Informier´ dich darüber was sie brauchen. Nicht was sie kosten.

Und wenn es dann irgendwann soweit ist, schau mal im Tierheim vorbei. Lern die Tiere dort kennen. Da sitzen so viele Tiere und warten auf ein neues Zuhause. Wenn du total gerne einen Hund hättest, dein Alltag das aber nicht zulässt, werde doch zum Beispiel Gassigeher im Tierheim. Und bevor du ein 2.500€-Tier aus beschränktem Genpool zu dir nach Hause holst, kannst du das Geld wunderbar beiseite packen, falls mal ein Notfall eintritt und eine kostspielige Operation Tierleben retten kann. Manchmal kostet Tiergesundheit leider tatsächlich arschviel Geld. Im Alltag kostet es allerdings vor allem

Zeit, Geduld und Mühe.

Zeit für die Recherche darüber, was wirklich artgerecht ist. Geduld bei der Erziehung und im Umgang. Mühe, alles über ein Tierleben lang in deinen Alltag zu integrieren. Dass du das beherzigst wünsche ich mir jedenfalls zu Weihnachten. Nenn es kitschig, pathetisch oder naiv, ist mir wurscht. So bin ich eben.

 

Zum Schluss noch ein paar Zeilen über Haustiere und Kinder: Die österreichische Dipl. Erziehungsberaterin Vera Rosenauer beschäftigt sich auf ihrer Webseite eingehend mit dem Abenteuer Erziehung und allem, was damit so zur Tür reingeschlendert kommt. Manchmal und gerade zu Weihnachten eben auch der kindliche Wunsch nach einem Haustier. Dazu hat sie mich interviewt und das Ergebnis kannst du hier in Vera´s Blog lesen.

 

Noch eine Anmerkung in eigener Sache:
Die Beispiele in diesem Artikel, habe ich mir zur Veranschaulichung ausgedacht.
Sie geben allerdings einen guten Querschnitt aus erlebtem Praxisalltag, denn oft habe ich Fälle, die ähnlich sind.

 

Ich wünsche dir und deiner Plüschnase eine traumschöne Vorweihnachtszeit, ein gemütliches Fest und einen hoffentlich stressfreien Rutsch ins neue Jahr.

Lasse es deinem Tier gut gehen!
Tierische Grüße

Claudia

PS: Im Dezember-Newsletter (der erscheint am 06.12.), den ich dir ergänzend zum Blog anbiete, geht es um Silvesterangst und darum, was in der Weihnachtszeit besonders giftig/gefährlich für unsere Hunde und Katzen ist. Hier kannst du dich kostenlos anmelden:  Newsletter-Anmeldung.