Zugegeben, als ich das Wort Darmsanierung das erste Mal hörte, musste ich auch ein wenig… naja schmunzeln. Den Darm sanieren? Soll das ein Witz sein? Klingt irgendwie albern, ist es aber nicht. Ganz im Gegenteil. Das ist eine verdammt gute Idee!

Wenn du „Darmsanierung für Hunde“ googelst, bekommst du haufenweise Vorschläge für die Stärkung des Immunsystems. Gerne mit Hinweis auf die Gesundheit des Darm und die Notwendigkeit der Sanierung derselben. All diese Mittelchen haben allerdings mit einer echten Darmsanierung nicht viel zu tun. Willst du wissen, warum und vor allem wann so eine Darmsanierung überhaupt gut ist? Los geht´s:

Der Darm deines Hundes ist, wie dein eigener, das Zentrum der Gesundheit. Du kannst vorne haufenweise gutes Zeug reinkippen. Wenn der Darm nicht richtig arbeitet, weil er aus der Balance geraten ist, sind die besten Bemühungen für die Katz.

Bei jedem gesunden Säugetier besiedeln etwa zehnmal so viele Bakterien den Darm wie der gesamte Körper Zellen hat. 80% aller Lymphknoten sitzen im Darm und 90% aller Immunzellen werden dort gebildet. Das gibt uns schon einen kleinen Wink mit dem Zaunpfahl, wie wichtig es für einen gesunden Organismus ist, dass im Darm alles läuft, wie es soll UND dass es sich lohnt, genau dort auch nach Ursachen für gesundheitliche Beschwerden zu suchen.

Medikamente, Stress, rassebedingte Prädisposition oder auch minderwertige und schwer verdauliche Futterbestandteile können die Darmflora stören und sie so sehr aus dem Tritt bringen, dass daraus Krankheiten entstehen. Die steigende Zahl der Umweltgifte kommt noch erschwerend hinzu und macht auch vor unseren Hunden nicht Halt. So hat z.B. die Uni Leipzig nachgewiesen, dass Glyphosat gute Darmbakterien eliminiert, Salmonellen und Co aber in Ruhe lässt. Na super.

Eine der unter Hundehaltern wohl gefürchtetsten Erkrankungen des Magen-Darmtraktes ist sicher die IBD (Inflammatory Bowel Disease). Dabei handelt es sich um eine chronische Magen-Darmentzündung, die mit blutigen Durchfällen, Erbrechen, Schmerzen und Krämpfen einhergehen kann. Am Ende des Tages ist es aber völlig wurscht, wie das Kind heißt. Sobald ein Hund wiederkehrende Durchfälle hat, obwohl Salmonellen, Giardien und Co ausgeschlossen werden konnten, der Bauch Quietsch- und Gurgelgeräusche von sich gibt und den Hund Blähungen plagen, macht es Sinn, sich die Darmflora mal genauer anzuschauen. Erstaunlicherweise wird das noch gar nicht so oft gemacht. Im Gegenteil werden wir Therapeuten für die Darmsanierung immer noch häufig belächelt. Tja, Kacke angucken ist halt nicht so schick wie Blut abnehmen…

Gute und schlechte Darmbakterien

Die Bakterienlandschaft des Darms, auch Mikrobiom genannt (Gesamtheit aller Mikroorganismen im Verdauungstrakt), ist ein hochkomplexes Geflecht aus ineinandergreifenden Strukturen und winzigst kleinen Organismen, über dessen Funktionen, Aufgaben und Abläufe man ein Buch füllen kann. Mir geht es hier „nur“ um eine kleine (hoffentlich verständliche) Erklärung dafür, wie wichtig und hilfreich es ist, bei der Suche nach der Ursache einer Erkrankung den Darm nicht zu vergessen.

Im Hundedarm finden wir „gute“ Bakterien, wie Escherichia coli, Enterokokken, Laktobazillen, Bifidobakterien und diverse nicht so gute bis „schlechte“ Bakterien wie z.B. Clostridien, Streptokokken, Pseudomonas, die zwar auch immer anteilig vorhanden sind, aber bei einem Darm, der in Balance ist, keine Schwierigkeiten machen, jedoch sofort gern mitmischen und störend in Aktion treten, wenn die erstgenannten Guten schwächeln.

Eine Kollegin von mir hat das mal mit der Reise nach Jerusalem beschrieben und das ist ein ganz schönes Bild, dass gut veranschaulicht, wie es im Darm zugeht. Kommt es zum Beispiel durch eine Antibiotikagabe zu einer Schieflage der Bakterienlandschaft im Darm, können wir uns das so vorstellen, dass in der Stuhlreihe ein Plätzchen frei wird. Wenn dieser Platz jetzt von einer schlechten Bakteriensorte neu besetzt wird und sich das über die Jahre immer wieder mal wiederholt, haben wir irgendwann einen Darm, der nicht mehr richtig funktioniert, weil er nicht mehr so ausgestattet ist, wie er es sein müsste, um prima arbeiten zu können.

Bei manchen Hunden geschieht das erst im Alter, bei einigen aber schon in jungen Jahren.

Das ist von vielerlei Faktoren abhängig. Die Personaldecke des Darms wurde quasi ausgedünnt und die freien Plätze haben sich ein paar Tunichtgute geschnappt. Wenn in einer Abteilung überwiegend Grützköpfe sitzen, kommen die fleißigen Mitarbeiter irgendwann nicht mehr dagegen an und man kann das gesamte Resultat der Arbeit in die Tonne treten. Genau das passiert, wenn die Darmflora gestört ist. Die Guten können nicht mehr abfangen, was die Schlechten den ganzen Tag an Mist fabrizieren.

Die Bakterienstämme, die wir gern im Darm unseres Hundes haben möchten, sind alle Spezialisten und kümmern sich um ganz bestimmte Belange. Die E. coli fungieren z.B. als Entzündungshemmer, die Enterokokken regen u.a. die Durchblutung und die Darmbewegung an und säuern das Milieu an und die Milchsäurefraktion der Lactobazillen und Bifidobakterien hält die Schilde gegen Fremdkeime hoch usw. Jede Gruppe hat ihre ganz spezielle To-do-Liste und wenn eine Gruppe wegbricht oder stark dezimiert wird, schafft sie es nicht mehr die Liste abzuarbeiten.

Wenn ich also einen Hund habe, der unter wiederkehrenden Durchfällen leidet, Giardien und alle anderen Durchfall bringenden Ursachen ausgeschlossen werden konnten und nun eine Darmsanierung durchgeführt werden soll, muss ich vorher feststellen, welche der Spezialisten im Darm fehlen bzw. welche der Störenfriede da randalieren.

Gießkannenpräparate, die ein bisschen was von diesem und ein wenig von jenem, was irgendwie grundsätzlich verdauungsfördernd ist, als Inhaltstoffe haben, sind da nicht zielführend.

Da ist im besten Fall auch schon viel Schönes dabei, das deinem Hund aber im schlimmsten Fall nüscht bringt, weil es nicht die Lücken stopft, die es zu stopfen gilt. Um bei dem Bürobeispiel von oben zu bleiben: die Arbeit der Spezialisten, die einem flöten gegangen sind, wird versucht mit Aushilfskräften zu ersetzen. Damit kommt man eine Zeit lang vielleicht sogar ein bisschen weiter, landet aber über kurz oder lang wieder bei den gleichen Symptomen, weil die Maßnahmen oder deren Qualität eben nicht ausgereicht haben.

Viele Hundehalter haben jahrelang mit chronischen Magen-Darm-Entzündungen ihres Hundes zu kämpfen. Schulmedizinisch wird meistens mit Antibiotika und Cortison gearbeitet, was oft auch erstmal eine Besserung bringt, die Symptome aber nach einiger Zeit genauso oft wiederkommen lässt, weil an der Dysbakterie, also der Fehlbesiedelung des Darms als solches, nicht gearbeitet wurde.

Also, was tun mit dieser Erkenntnis?

Darmflorascreen heißt das Zauberwort.

Dafür wird eine frische Kotprobe ins Labor des Vertrauens geschickt und dieses macht dann eine Auswertung des Ist-Zustandes der Bakterienlandschaft. So kann anschließend gezielt das aufgefüllt werden was fehlt bzw. das bekämpft werden was überhand genommen hat. Deshalb ist es auch nicht ratsam einfach auch das Präparat zu kaufen, das dem Nachbarshund so gut geholfen hat, weil der garantiert eine anders gelagerte Dysbakterie hatte als der eigene, auch wenn es bei beiden „nur“ nach ständig wiederkehrendem Durchfall aussah.

Zu beachten ist auch, dass es für die Wiederinstandsetzung der Darmflora nicht mit zwei, drei Gaben von was auch immer getan ist. Um eine Darmflora wieder aufzubauen, braucht es je nach Schwere des Befundes Wochen, manchmal Monate. Aber dran bleiben lohnt sich! Wenn der Darm wieder aufgepäppelt ist, kann er sich in Zukunft nämlich wieder selbst helfen und dann gibt es höchstens mal Durchfall, weil der Hund irgendwo was stibitzt hat, was eine durchschlagende Wirkung hat.

 

Melde dich gern bei mir, wenn du Fragen hast und lass es dir und deinem Hund gut gehen!

Von Herzen tierische Grüße,

 

Claudia

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