Tiere haben ein Bewusstsein. Das wäre die Zusammenfassung dieses Buches in einem Satz. Sie wird der wunderbaren Art und Weise, wie sich Carl Safina diesem Thema annimmt, aber nicht einmal ansatzweise gerecht. Es ist tatsächlich schwierig, dieses Buch zu beschreiben ohne allzu viel Pathos. Für eine Tierliebhaberin wie mich ist es der reinste Schmachtfetzen, der mich auch das eine oder andere Tränchen gekostet hat und gleichzeitig viel Wissenswertes über die verschiedenen Tierarten bereithält.

Ich habe noch nicht viele Bücher gelesen, die mich so berührt haben wie dieses. Carl Safina nimmt dich in „Die Intelligenz der Tiere“ (2015 erschienen im Verlag C.H.Beck) mit, in das Familienleben von Elefanten des Amboseli-Nationalpark in Kenia, von Wölfen des Yellowstone-Nationalparks in den Vereinigten Staaten und von Killerwalen im nordwestlichen Pazifik.

In seiner Widmung schreibt er: „Dieses Buch ist all jenen Menschen auf den folgenden Seiten gewidmet, die genau hinsehen und hinhören. Die uns erzählen, was sie aus den Stimmen und dem Schweigen derer heraushören, die mit uns auf dieser Erde leben.“.

Safina hat in New York Ökologie studiert und ist Tieraktivist. Ein Wissenschaftler, dem die Wissenschaft irgendwann nicht mehr gereicht hat und der sich deshalb getraut hat, sich über die rein wissenschaftliche Betrachtung hinaus auf Tiere einzulassen. Er schreibt: „In dieser Geschichte, die sich selbst erzählt, geht es nicht nur darum, was auf dem Spiel steht, sondern wer.“

Er schildert eindrucksvoll seine Erfahrungen und Beobachtungen des Familienlebens und der Sozialverbände von Elefanten, Vögeln, Wölfen und Walen und wie komplex sie mit ihrer Umwelt verbunden und auf sie angewiesen sind. Er schreibt über seine Expeditionen, bei denen er die Tiere in ihrer natürlichen Umgebung, quasi in ihrem Alltag, begleitet. Er berichtet darüber, dass Elefanten Familientraditionen haben und Wölfe Familienverbände wie wir Menschen. Mit ungeliebter Tante und protzigem Schwager.

Seine Erfahrungen haben ihm zum Beispiel gezeigt, dass Wölfe und Menschen sich im Zusammenleben innerhalb der eigenen Spezies ähnlicher sind als Schimpansen und Menschen. Elefanten bestatten manchmal ihre Verstorbenen, indem sie sie mit Erde und Blättern bedecken, um anschließend an gebrochenem Herzen zu sterben. Wal-Damen halten Kaffeekränzchen während der Nachwuchs nur Sex im Kopf hat.

Abgedreht? Nein. Das Buch stellt uns Menschen als „Krone der Schöpfung“ in Frage und zeigt eine Seite der Tiere, die zu wenig gesehen, gehört und verstanden wird. Reine Bewunderung für andere Spezies und eine kritische Auseinandersetzung mit der Rolle des Menschen innerhalb des natürlichen Kreislaufs und wie wir unsere intellektuelle Überlegenheit und die daraus resultierenden Fähigkeiten (nicht) einsetzen.

Ein toller Schmöker für die kommenden dunklen Kuschelsocken-Schmuddelwetter-Wochen. Ich habe ihn jedenfalls wieder rausgekramt, um ihn in diesem Winter nochmal zu lesen und möchte ihn dir nicht vorenthalten. Viel Spaß beim Lesen und

lass es deinem Tier gut gehen!

Claudia

Die Intelligenz der Tiere
Carl Safina
Verlag C. H. Beck
ISBN 978-3-406-70790-2