Die Wirtschaftsreporterin und Autorin Miryam Muhm schreibt in ihrem Buch „Die Blutwertlüge“ (2016 erschienen im Europa Verlag) nicht über Veterinärmedizin. Ihr Buch ist für mich dennoch „blogtauglich“, schließlich ist auch bei unseren Tieren im Krankheitsfall schnell die Rede von einem benötigten Blutbild.

„Die Blutwertlüge“ ist streckenweise sehr fachspezifisch und als Laie brauchst du bei einigen Passagen sicher einen langen Atem. Ich möchte es dir aber nicht vorenthalten, denn gerade das Thema Labor mit seinen Blutwerten und Referenzbereichen ist einer der Hauptknackpunkte zwischen Schulmedizin und Naturheilkunde.

Für Tiere gibt es natürlich spezifische Laboruntersuchungen, die es so im Humanbereich nicht gibt und/oder die nicht sehr häufig zum Einsatz kommen. Trotzdem wirst du auch für die Werte deines Tieres nach dieser Lektüre besser einordnen können, welche Untersuchungen Sinn machen und welche eben nicht. Kolleginnen und Kollegen kann ich das Buch als Ergänzung auch wärmstens empfehlen!

Muhm berichtet eindrucksvoll darüber, welchen Stellenwert Labortwerte in der heutigen Diagnosefindung haben und erklärt, warum die reine Zahlenmedizin nicht funktioniert. Für Laborwerte gibt es sowohl Unter- als auch Obergrenzen. Liegen die Werte innerhalb der Norm bist du laut Schulmedizin gesund, liegen sie außerhalb stimmt etwas nicht. Das gilt für dein Tier genauso. Aber wer hat diese Werte, auf deren Interpretation fast alle Diagnosen fußen, festgelegt? Werden Referenzbereiche mit wachsendem Kenntnisstand im Bereich der medizinischen Wissenschaft laufend angepasst? Wer hat daran überhaupt ein Interesse? Und wer eher nicht?

„Blutergebnisse geben letztlich nur Aufschluss darüber, wie viel sich von einem Stoff im Blut befindet – nicht aber darüber, wie viel davon in den Zellen und in den verschiedenen Geweben unseres Körpers vorhanden ist.“, schreibt Muhm. Sich zu sehr auf Laborwerte zu verlassen, kann irreführend bis fahrlässig sein. Wiedermal ein Grund mehr, den Blickwinkel für das Thema Krankheit auf die Ganzheitlichkeit auszuweiten.

Sicherlich kommt dieser Buchtipp ein wenig staubig-trocken daher, jedoch ohne groß ins Detail zu gehen, kann man das Thema Blut und Labor eigentlich noch nicht mal schief angucken. Ein ausführlicher Blogartikel zu dem Thema kommt noch. Dann geht es wieder ausschließlich um Tiere. Ein guter Einstieg in das Thema ist dieses Buch trotzdem für dich, wenn du dich dafür interessierst, wie unser Gesundheitssystem funktioniert, wie sehr sich die Schulmedizin von Laborwerten abhängig macht und welche Rolle die Pharmaindustrie spielt.

Zu großen Teilen werden diese Vorgehensweisen im Veterinärbereich schlicht übernommen, deshalb ist „Die Blutwertlüge“ auch für Tierhalter lesenswert.

 

Lass es deinem Tier gut gehen!

Claudia

Die Blutwertlüge
Miryam Muhm
Europa Verlag
ISBN 978-3-95890-054-7