Der Autor Achim Gruber ist ein Prof. Dr., leitender Tierpathologe der Freien Universität in Berlin, ein hochqualifizierter Spezialist, Premium-Schulmediziner. Für dich als Leser heißt das in erster Linie, dass manches Mal sein Professorenherz mit ihm durchgeht und er viele Fachbegriffe nach dir schmeißt. Wenn du das Buch bis zum Schluss liest, nimmst du es ihm am Ende aber nicht mehr übel und er übersetzt sich selbst quasi simultan, versprochen! Ich persönlich hätte gleich die verständliche Variante benutzt und auf den Rest verzichtet. Wenn ich ein Buch zur Hand nehme, das ein Tierpathologe geschrieben hat, der noch dazu Forschungsdekan an einer unserer Hochschulen ist, braucht es für mich im Fließtext keine weiteren Beispiele der vorhandenen Qualifikation zur Untermauerung des Expertenstatus. Er hat es aber trotzdem geschafft, mich im Laufe des Buches für sich einzunehmen. Denn hier schreibt ein Fachmann, der das tut, was wir anderen Tierfreunde uns nur schwer vorstellen können: er arbeitet mit toten Tieren zum Wohle der lebenden, um durch Aufklärung zukünftiges Leid zu vermeiden.

Das große allumfassende Thema dieses Buches ist der menschliche Umgang mit Tieren, wobei Nutz- und Versuchstiere weitestgehend ausgeklammert werden. Übrig bleiben unsere Haustiere, Zirkustiere, Zootiere. Gruber berichtet anhand von Beispielen aus seinem Berufsalltag in der Tierpathologie wie wir unsere Tiere zu Tode lieben, sie krank züchten oder sie rätselhaften Keimen zum Opfer fallen. Es ist stellenweise sperrige, unbequeme Kost, mit Passagen, die nichts für schwache Nerven sind. Harter Stoff mit ungefiltertem Blick auf von Menschen gemachtes Leid. Aufklärung muss man wollen!

Mir persönlich fiel dieses Buch schon deshalb ins Auge, weil noch vor der Inhaltsangabe darauf hingewiesen wird, dass die innerhalb des Buches dargestellten Bewertungen nicht unbedingt Standpunkte der Freien Universität Berlin sind, sondern lediglich die des Autors. Wenn sich große Einrichtungen distanzieren redet meistens jemand Tacheles. Ich stehe auf Klartext und den gibt es in diesem Buch auf 286 Seiten.

Gruber schildert sehr eindrucksvoll welche Gefahren wir, nicht selten aus Unwissenheit, im Alltag für uns und unsere Tiere produzieren. Wir töten Eisbären mit Zebras, bringen Menschen- und Tierleben in Gefahr, wenn wir eigentlich nur helfen wollen und zu guter Letzt spielen wir Schöpfung und züchten uns die Lieblinge, wie es uns gefällt, ohne Rücksicht auf Verluste. In diesem Buch geht es gleichermaßen um Skrupellosigkeit wie um Tierliebe. Für mich ist kaum ein weiteres Wort mit so vielen widersprüchlichen Gefühlen besetzt ist: Tierliebe. Das heißt heute leider oft Vermenschlichung, mit teilweise schrecklichen Folgen, wie Gruber eindrucksvoll anhand seiner Fälle schildert. Nur dass die beschriebenen Fälle leider nicht das Ergebnis eines einfallsreichen Autors aus einem Krimi, sondern Tatsachenberichte in einem Sachbuch sind.

Elend von Menschenhand, das im letzten Kapitel mit den in der Rassezucht von Hunden und Katzen in Kauf genommenen Begleiterkrankungen durch Gendefekte seinen Höhepunkt findet. Wenn dich als Hunde- oder Katzenhalter vielleicht weder Zebras noch Eisbären interessieren, kann ich dir, solltest du dich entscheiden dieses Buch zu lesen, nur eindringlich ans Herz legen, nicht erst auf Seite 183 einzusteigen, wenn es vornehmlich nur noch um Haustiere geht. Es lohnen sich auf jeden Fall auch die vorangehenden 182 Seiten.

Traurig und schockierend, aber Augen öffnend, dass ein einzelner Mensch über so viel belegbares, von Menschenhand geschaffenes Tierleid zu berichten weiß und umso wichtiger, die Augen davor nicht zu verschließen. Es geschieht jeden Tag und es wird Zeit, dass wir uns gegenseitig noch mehr dafür sensibilisieren, zum Wohle unserer Tiere.

„Das Kuscheltierdrama“ ist nichts zum Kuscheln, aber für jeden Tierfreund, der sich seiner Verantwortung bewusst ist, ein großartiges Buch.

 

Lass es deinem Tier gut gehen!

Claudia

Das Kuscheltierdrama
Prof. Dr. Achim Gruber
Droemer Verlag
ISBN 978-3-426-27781-2